Steffen Meier
FAZ-Vertical, Digitalabos stagnieren & BookTok-Hype rückläufig
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D:ECONOMY-Briefing: F.A.Z. startet wöchentlichen Newsletter zu digitaler Ökonomie
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) hat ihren ersten D:ECONOMY-Newsletter lanciert, der Teil einer neuen Reihe von geplanten Themenbereichen ist. Jeden Mittwoch um 8 Uhr werden Abonnenten aktuelle und tiefgreifende Informationen zu Schlüsselthemen der digitalen Wirtschaft direkt in ihr Postfach erhalten. Neben Kernthemen wie der Einfluss von KI auf Wirtschaft und Arbeit werden auch Fragen rund um Plattform-Unternehmen und neue Technologien behandelt. Um einen direkten Austausch mit den Fachleuten zu ermöglichen, sind in Kürze Podcasts und interaktive Live-Sessions geplant. Zusätzlich werden aktuelle Ereignisse der Woche auf der Website, in den Apps für Apple und Google Android sowie auf LinkedIn präsentiert. Die F.A.Z. sieht in gut aufbereiteten, gezielten Informationen eine große Chance im Medienmarkt.
LinkedIn lockt Journalisten mit Kollaborativen Artikeln und Community-Top-Voices-Funktion
LinkedIn möchte für Journalisten attraktiver werden und hat deshalb „kollaborative Artikel“ eingeführt. Diese Artikel werden zunächst von KI generiert und anschließend vom Redaktionsteam überarbeitet. Die Plattform ist dabei selektiv und möchte, dass Journalisten sich aktiv beteiligen. Durch die Teilnahme können Journalisten nicht nur ihre Reichweite erhöhen, sondern auch ein Community Top Voices Abzeichen verdienen, das für „relevante, originelle und additive“ Beiträge verliehen wird. Das Abzeichen verfällt nach 60 Tagen, wenn der Nutzer nicht weiterhin aktiv ist. LinkedIn bestätigte, dass fast die Hälfte der Beiträger zu kollaborativen Artikeln Nutzer sind, die normalerweise keinen regelmäßigen Content erstellen. Trotz der Bemühungen, Journalisten anzuziehen, gibt es bisher keine Möglichkeiten, Inhalte zu monetarisieren.
Dagbladet erobert junge Zielgruppe durch TikTok-Strategie
Dagbladet ist eine norwegische Tageszeitung, die zu den größten und einflussreichsten Medien des Landes gehört. Die Zeitung hat seit dem Start ihres TikTok-Kontos im März 2022 beeindruckende Zahlen erreicht: fast 7 Millionen Likes und bis zu 4 Millionen Aufrufe pro Woche. Der Grund für den Einstieg auf TikTok war, eine jüngere Zielgruppe anzusprechen und über aktuelle Nachrichten zu informieren. Das breit gefächerte Videoangebot reicht von unterhaltsamen Promi-Clips über virale Videos bis hin zu ernsten Nachrichten. Die Redaktion von Dagbladet TV hat sich in kürzester Zeit auf TikTok spezialisiert und passt Inhalte des Hauptmediums db.no für die Plattform an, ohne den Markenkern von Dagbladet zu verlieren. Dank TikTok kann Dagbladet nicht nur aktuelle Nachrichten blitzschnell teilen, sondern auch direkt mit den Zuschauern interagieren. Die Plattform hat es dem Medium ermöglicht, eine sonst schwer erreichbare Zielgruppe zu gewinnen und mit ihr zu interagieren.
Deutsche Zeitungslandschaft: Ein Zwiespalt zwischen Digitalerlösen und Printeinbußen
2022 war ein bewegtes Jahr für deutsche Zeitungsverlage: Während aktuelle Themen wie der Ukraine-Konflikt und die Klimakrise für hohen Nachrichtenbedarf sorgten, konnten die Verlage ihre Umsätze im Kerngeschäft nicht halten. Sie erzielten 6,83 Milliarden Euro, ein Rückgang von gut zwei Prozent. Besonders spürbar war der Verlust im Anzeigengeschäft, das um fast sechs Prozent schrumpfte. Dagegen erlebten die digitalen Angebote einen Boom, mit einem Umsatz von 1,17 Milliarden Euro, ein Anstieg von fast 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die überregionalen Zeitungen schnitten am besten ab und generierten fast die Hälfte ihres Umsatzes durch digitale Angebote. Regionalzeitungen, obwohl als unverzichtbar für lokale Themen angesehen, konnten die digitale Transformation noch nicht vollständig nutzen und erzielten lediglich zehn Prozent ihrer Gesamteinnahmen durch Digitalgeschäft. Die steigende Bedeutung der E-Paper ist ebenfalls nicht zu übersehen: Sie machten 2022 gut 17 Prozent der Gesamtauflage aus, verglichen mit 14,3 Prozent im Jahr 2021.
Insgesamt steht die Branche vor der Herausforderung, das schrumpfende Printgeschäft durch digitale Angebote auszugleichen, ein Ziel, das trotz der Erfolge im digitalen Sektor noch nicht vollständig erreicht ist.
Zur Analyse
Rückgang des Wachstums bei Digitalabos: Verlage setzen auf ARPU-Steigerung
Die aktuellen Quartalszahlen von Top-Verlagen wie der New York Times und dem Wall Street Journal zeigen einen Rückgang der Wachstumsraten im Bereich digitaler Abonnements. Im Fokus steht jetzt die Steigerung des durchschnittlichen Umsatzes pro Nutzer (ARPU). Eine Möglichkeit zur Umsatzmaximierung bietet die Erhöhung der Cookie-Zustimmungsraten, wodurch auch weniger engagierte Leser monetarisiert werden können. Ein weiterer Ansatz ist die Umwandlung anonymer Leser in Mitglieder durch ein Registrierungsmodell, das neben Inhalt auch kommentierfähige Artikel und exklusive Newsletter bietet. Dabei wird hochwertige Firstparty-Daten für gezielte Werbung gesammelt. Zudem ist es ratsam, engagierte Leser durch Rabatte und Onboarding-Maßnahmen zu Abonnements zu bewegen, um die Kundenbindung zu erhöhen. Immer mehr Verlage, angeführt von der New York Times, setzen außerdem auf Paketangebote, um ihre loyalsten Abonnenten besser zu monetarisieren.
Erfolgreiches Wirtschafts-Newsletter-Modell: Analyse statt schnelle News
Der Wirtschaftsjournalist Joseph Politano konnte innerhalb eines Jahres 35.000 Abonnenten für seinen Newsletter „Apricitas“ auf Substack gewinnen. Sein Erfolgsgeheimnis: ein Schwerpunkt auf detaillierter Datenanalyse statt rasche Berichterstattung. Politano betont, dass in der heutigen Zeit Nachrichten leicht zugänglich sind, jedoch fundierte Analysen einen höheren Wert haben und meint, dass Journalismus oft von schnelllebiger Veröffentlichung lebt, während echte Datenanalyse Zeit und Gründlichkeit benötigt. Sein Ziel war es daher, tiefgehende Daten und Informationen bereitzustellen, die man in traditionellen Zeitungen vergeblich sucht. Mit dieser Strategie hat er erfolgreich eine Brücke zwischen Daten und Journalismus geschlagen.
Die Creator Economy boomt: Über 1 Million Kreative erzielten 25 Milliarden Dollar Einkommen
Zahlungsabwickler Stripe hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der das rasante Wachstum der sogenannten Creator Economy unter die Lupe nimmt. Die Daten von 2021 zeigten bereits, dass 668.000 Kreative über Stripe insgesamt 10 Milliarden Dollar ausgezahlt bekamen. Dieser Trend setzt sich fort: Im Jahr 2023 haben mehr als eine Million Kreative auf den gleichen 50 Plattformen insgesamt über 25 Milliarden Dollar verdient. Das entspricht einer durchschnittlichen Einnahme von 25.000 Dollar pro Person, und das sind nur die Transaktionen, die über Stripe abgewickelt wurden. Dieser enorme Zuwachs bestätigt, dass die Creator Economy nicht nur groß ist, sondern auch weiterhin rasant wächst.
USA: Buchverkäufe trotz BookTok-Hype rückläufig
Trotz eines beeindruckenden Volumens von 167 Milliarden BookTok-„Ansichten, Rezensionen und Empfehlungen“ sind die Buchverkäufe in den USA gesunken. Von den 4,2 Milliarden BookTok-Ansichten zu #ColleenHoover führten 4,176 Milliarden nicht zu Verkäufen. Laut Publishers Weekly sanken die Verkaufszahlen von Printbüchern im Sommer erneut. Obwohl BookTok während der Pandemie von zusätzlicher Lesezeit profitierte, hat sich die Bedeutung von BookTok mit der nachlassenden Pandemie verringert. Schließlich sind sowohl die Lesezeit als auch die Zeit für BookTok zurückgegangen. Tatsächlich bestätigen die Zahlen von Publishers Weekly, dass BookTok nicht die erträumten gewinnbringenden Effekte für die gesamte Buchbranche liefert.
Amazon setzt klare KI-Richtlinien für Selbstverleger auf der KDP-Plattform
Amazon geht bei der Regulierung künstlicher Intelligenz in der Verlagswelt einen klaren Schritt nach vorne und implementiert ausführliche Richtlinien für Autoren und Kleinverlage, die seine Kindle Direct Publishing (KDP) Plattform nutzen. Für alle KI-generierten Inhalte, seien es Texte, Bilder oder Übersetzungen, verlangt Amazon eine ausdrückliche Kennzeichnung. Hierbei wird zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“ unterschieden. Während KI-generierte Inhalte vollständig von einem KI-Tool erschaffen werden, fallen unter „KI-unterstützt“ Inhalte, die durch KI nur überarbeitet oder verbessert wurden.
Autoren und Verleger sind zudem verantwortlich dafür, sicherzustellen, dass alle KI-basierten Inhalte den allgemeinen Richtlinien entsprechen. Dazu gehört auch die Überprüfung, ob ein KI-Tool Inhalte erstellt hat, die urheberrechtlich geschützt sein könnten. Im Gegensatz zu vielen Verlagsorganisationen, die eine klare Position zur KI-Regulierung vermissen lassen, bietet Amazon somit konkrete und sinnvolle Leitlinien.
Steigerung des Digitalen ARPU: Warum News-Publisher die Preise ihrer digitalen Abonnements anheben sollten
Die Verlagerung von Print- zu Digitalmedien stellt eine zentrale Herausforderung für Nachrichtenverlage dar, die ihre Abonnement-Einnahmen und Betriebsmargen stabil halten möchten. Während in den letzten zehn Jahren die durchschnittlichen Preise für Print-Abonnements deutlich gestiegen sind, hinken die Preise für digitale Abonnements hinterher. Die mittleren Abonnementpreise liegen in den USA bei 28,54 US-Dollar für Print und nur bei 9,02 US-Dollar für digitale Angebote, was trotz niedrigerer Betriebskosten oft nicht zu vergleichbaren Gewinnmargen führt. Um die Einnahmen auf einem nachhaltigen Niveau zu halten, müssen regionale und lokale Nachrichtenorganisationen höhere Durchschnittseinnahmen pro Abonnent (ARPU) erzielen, insbesondere im Vergleich zu globalen Marken wie Netflix oder Spotify. Strategische Preisbildung hat sich als wirksam erwiesen, um sowohl die durchschnittlichen Einnahmen zu steigern als auch die Kündigungsrate zu reduzieren. Zudem sollten Verlage verschiedene Metriken zur Leistung ihrer Preisstrategien im Auge behalten, darunter Umrechnungsraten und Kundenbindungsquoten. Ein koordiniertes Vorgehen in der Kundenkommunikation und technische Anpassungen im Abrechnungssystem sind dabei entscheidend.
Nachrichtenverlage setzen vermehrt auf Nicht-Nachrichten-Verticals, um zu wachsen
Das Bündel-Angebot der New York Times, das neben den Hauptnachrichten auch Zugang zu ihrer Koch-App, Spielen, Wirecutter-Rezensionen und der Sportmarke The Athletic bietet, treibt das Umsatzwachstum des Unternehmens voran. Dabei bringen Abonnenten, die sich für das Bundle oder zumindest zwei der Produkte anmelden, durchschnittlich 13,40 $ pro Monat ein, im Vergleich zu 9,29 $ für reine Nachrichtenabonnenten. Diese Produktpalette erhöht den Wert für Abonnenten und bindet sie länger, so Jonathan Knight, Leiter der Spieleabteilung der NYT. Als Reaktion auf den Rückgang des Traffics zu aktuellen Nachrichten erweitern viele Verlage ihr Portfolio um Bereiche wie Hobbys, Lifestyle und Special Interest. Gannett, der Verlag hinter USA Today, hat Nischensubskriptionen wie USA Today Sports+ und ein spezielles Kreuzworträtsel-Produkt eingeführt, während Le Figaro in Europa eine eigene Koch-App gestartet hat. In Großbritannien bieten The Times und The Telegraph reine Rätsel-Abonnements an und Bereiche wie Reisen und Luxus florierten besonders, wobei letzterer High-End-Werbetreibende und wohlhabende Leser anspricht. Traffic zu nicht-nachrichtlichen Verticals steigt, wobei beispielsweise der Reisebereich von The Sun eine Zunahme von 24 % im Jahresvergleich und 115 % im Vergleich zu vor zwei Jahren verzeichnet.
Blendles Abkehr von Micropayment: Ein Zeichen des Wandels im Medienmarkt?
Blendle, die niederländische Online-Nachrichtenplattform, beendet ihren Micropayment-Dienst, eine Methode, bei der Nutzer kleine Beträge für einzelne Artikel zahlen. Bei ihrer Einführung 2013 und Expansion in Deutschland 2015 und die USA 2016, wurde Blendle von großen Verlagen als potenzielle Rettung des Journalismus gefeiert. Allerdings stießen sie in den letzten Jahren auf Schwierigkeiten: 2019 schloss Blendle seine niederländische Abteilung und führte ein Teil-Abonnement-Modell ein. Nach der Übernahme durch das Unternehmen Cafeyn im Jahr 2020 wurde nicht mehr auf das Micropayment-Modell, sondern auf neue Marktchancen fokussiert. Blendle selbst bezeichnet Micropayment jetzt als nicht erfolgreich, wobei der Cafeyn-CEO betonte, dass All-Access-Bündel, wie Spotify oder Netflix, den heutigen Bedürfnissen der Verbraucher besser entsprechen. Dennoch sehen einige Analysten immer noch Potenzial in Micropayment, wenn sie richtig implementiert werden und ohne Zwischenhändler. Trotz Blendles Herausforderungen könnten Micropayment als Teil einer umfassenderen Abonnementreise eine Rolle spielen.
The Economist setzt auf Podcast-Boom: Neues Abomodell startet
The Economist geht einen neuen Weg und führt diesen Donnerstag eine neue Abo-Stufe namens „Economist Podcasts+“ für monatlich 4,90 US-Dollar ein. Audio ist für das Unternehmen die am schnellsten wachsende Plattform, und durch das neue Abo-Angebot erhofft man sich, die Haupterlösquelle des Magazins – die Abonnements – weiter zu stärken. Ab Mitte Oktober erhalten Abonnenten exklusiven Zugang zu allen aktuellen und neuen Podcasts des Magazins. Bestehende Abonnenten werden keinen zusätzlichen Beitrag zahlen müssen, während Neukunden die Möglichkeit haben, das Angebot zu einem um 50 Prozent reduzierten Jahresbeitrag von 49 US-Dollar vorzubestellen. Die Anmeldung erfolgt direkt über die Website oder App des Economist. Während die meisten Shows nun hinter einer Bezahlschranke verschwinden, werden einige Musterfolgen weiterhin kostenlos bleiben. Obwohl das Unternehmen mehr als 470 Millionen US-Dollar Umsatz im letzten Geschäftsjahr verzeichnete, sieht es die Notwendigkeit, nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und Inhalte konsequent zu monetarisieren.
Zum Hintergrund: „The Economist“ startete 2006 seinen ersten Podcast und hat heute fast ein Dutzend eigenständige Shows mit durchschnittlich 4,8 Millionen monatlichen Hörern.
KI im Journalismus: Sechs Newsletter, die (hoffentlich) Klarheit schaffen
Der Umgang mit künstlicher Intelligenz stellt für viele Journalisten eine Herausforderung dar: Sie möchten alles darüber wissen, fühlen sich aber gleichzeitig von der Informationsflut erdrückt. Ein Großteil der Online-Inhalte zum Thema KI im Journalismus ist entweder zu komplex, zu repetitiv oder schlichtweg nutzlos. Da es nur wenige Experten auf diesem Gebiet gibt, ist es schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Abhilfe schaffen können ausgewählte Newsletter, die von kompetenten Autoren verfasst werden und den Lesern dabei helfen, den Überblick zu behalten. Diese Newsletter schaffen es, komplexe Themen verständlich zu erklären und den Nutzwert von KI für Journalisten herauszuarbeiten. Sie bieten eine Möglichkeit, sich fundiert über KI im Journalismus zu informieren, ohne von Belanglosigkeiten abgelenkt zu werden. So können Journalisten trotz des allgegenwärtigen „Lärms“ rund um KI fundierte Entscheidungen treffen.
Studie: KI im Journalismus – Neues Potenzial, aber auch Skepsis in globalen Newsrooms
Trotz des Aufkommens leicht zugänglicher generativer KI-Tools wie ChatGPT haben vier von zehn Nachrichtenorganisationen ihren Umgang mit KI seit 2019 nicht wesentlich geändert, so eine aktuelle Umfrage der London School of Economics. Dennoch sind 80 % der Befragten optimistisch und erwarten eine Zunahme des KI-Einsatzes in ihren Redaktionen. Überwiegend positive Erwartungen setzen sie in generative KI-Tools wie ChatGPT und Googles Bard, die laut 73 % der Befragten neue Möglichkeiten für den Journalismus eröffnen könnten. Allerdings bleiben Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die redaktionelle Qualität und ethische Implikationen für 60 % der Teilnehmer bestehen. Zeitungen sind mit 28 % am stärksten unter den befragten Organisationen vertreten, gefolgt von Verlagsgruppen mit 20 % und Rundfunkanstalten mit 16 %. Die Umfrage zeigt, dass KI in der Medienbranche bereits ein systemischer Faktor ist, jedoch erhebliche Herausforderungen und Fragen zur Transparenz und Ethik weiterhin unbeantwortet bleiben.
Google Chrome führt mit AI generierte Artikelzusammenfassungen ein
Google hat eine bedeutende Erweiterung seiner KI-gesteuerten Search Generative Experience (SGE) angekündigt: Die Fähigkeit, Artikel im Internet zusammenzufassen. Diese Funktion, die als „SGE beim Surfen“ bezeichnet wird, wurde zunächst als „frühes Experiment“ in Googles freiwilligem Search Labs-Programm eingeführt und wird zuerst in der Google App auf Android und iOS verfügbar sein, bevor sie in den kommenden Tagen auf den Chrome-Browser für den Desktop ausgeweitet wird. Nutzer, die Zugriff in der mobilen Google App haben, erhalten nach Anklicken eines Symbols am unteren Bildschirmrand von der KI generierte „Kernpunkte“ aus einem Artikel. Die Funktion ist nur für Artikel konzipiert, die im Internet frei verfügbar sind, und funktioniert nicht mit paywall-geschützten Websites.
Die unerkannte Gefahr: Wie KI-Halluzinationen den Journalismus und die Wahrheit bedrohen
Michael Bugeja, Professor für Geistes- und Naturwissenschaften an der Iowa State University Greenlee Schule für Journalismus und Kommunikation, sieht die Integrität des Journalismus unter enormem Druck, nicht zuletzt durch die Einflüsse künstlicher Intelligenz. Mit dem Aufstieg von Generative AI drohen nicht nur Deepfakes oder Plagiate, sondern vor allem sogenannte KI-Halluzinationen: überzeugende Falschinformationen, die von AI-gesteuerten Chatbots erzeugt werden. Diese Entwicklung setzt Journalisten zusätzlich unter Druck, die bereits unter Zeitmangel und Personalabbau leiden. Deshalb raten Experten, den Einsatz von Chatbots in Redaktionen zu minimieren und stattdessen mehr Lektoren einzustellen, Faktenüberprüfungen zu verstärken und spezielle „Wahrheitsbeats“ zu etablieren. Denn während KI immer smarter wird, werden ihre Fehlinformationen gefährlicher – ein Risiko, das weit über schlechte Netflix-Empfehlungen hinausgeht.
Die Verbreitung von KI-Halluzinationen kann das Vertrauen in die Medien weiter erschüttern und gesellschaftliche Polarisierung fördern. Die Branche ist daher aufgerufen, den Fokus erneut auf die Faktenüberprüfung zu legen und ethische Standards in Bezug auf KI-Anwendungen festzulegen, bevor die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion endgültig verschwimmt.
Künstliche Intelligenz im Visier des Urheberrechts: US-Richter erklärt AI-Kunst für nicht schutzfähig
Ein US-Bundesrichter hat kürzlich bestätigt, dass Kunstwerke, die von Künstlicher Intelligenz erschaffen wurden, keinen Urheberrechtsschutz genießen. Diese Entscheidung stärkt die Position des US-Copyright-Amtes und fügt sich in die lange Tradition ein, dass Urheberrechte nur für Werke gelten, die von Menschen geschaffen wurden. Stephen Thaler, CEO des Neuralnetzwerk-Unternehmens Imagination Engines, hatte die Regierung herausgefordert und die Anerkennung der Urheberschaft seiner KI, der „Creativity Machine“, eingefordert. Seine Klage wurde abgewiesen, da der Richter feststellte, dass Urheberrecht „nie so weit gedehnt wurde“, um Werke zu schützen, die ohne menschliche Einflussnahme entstanden sind. Auch ältere Urteile, wie etwa der Fall eines von einem Affen geschossenen Fotos, untermauern die menschenzentrierte Sichtweise des Urheberrechts. Der Richter betonte, dass das Ziel des Urheberrechts darin besteht, menschliche Kreativität zu fördern, nicht die von Maschinen. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die Legalität des Trainings von KI-Systemen an urheberrechtlich geschützten Werken zunehmend in Frage gestellt wird.
Disney+ und RTL+ dominieren im Streaming
In einer aktuellen Studie der TH Köln, der Medienberatung HMR International und der Universität Weimar wurden über 2.000 deutsche Streaming-Nutzer hinsichtlich ihrer Vorlieben befragt. Dabei stellte sich heraus, dass Disney+ den höchsten „Suchtfaktor“ besitzt, dicht gefolgt von RTL+. Obwohl Netflix (23 %) und Amazon (16 %) täglich am häufigsten genutzt werden, schätzen Nutzer insbesondere die traditionellen Stärken dieser internationalen Plattformen, etwa bezüglich der Aktualität und Originalproduktionen. RTL+ hingegen brilliert in Marken-Image und wird als Top-Adresse für Daily Soaps und Reality-Shows angesehen, obwohl sein Design und Technik weniger Anklang finden. Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF überzeugen noch mit Informationsprogrammen, stehen aber bereits in Konkurrenz zu internationalen Diensten. Interessanterweise liegen bei der Personalisierung der Inhalte vor allem große internationale Anbieter vorn, wobei Netflix besonders hervorsticht. Der Wettbewerb im Streaming-Bereich verschärft sich, wobei 17 % der Nutzer letztes Jahr ein Abonnement kündigten.
Deutschland im Online-Audio-Fieber
Online-Audio hat sich im Medienkonsum der Deutschen fest etabliert, wobei aktuell 45,3 Millionen Menschen mindestens einmal monatlich digitale Hörinhalte nutzen. Besonders beliebt sind Musikstreaming mit 60 Prozent, gefolgt von Webradio mit 52 Prozent. Nach der Corona-Pandemie verzeichnet das Webradio, insbesondere bei den über 50-Jährigen, den größten Zuwachs. In Bezug auf die genutzten Geräte dominieren mit 80 Prozent Smartphones, doch auch Smart Speaker und Smart TVs gewinnen an Relevanz. Rund 19,2 Millionen Deutsche ab 14 Jahren haben bereits Zugang zu Sprachsteuerungslautsprechern wie Alexa, wobei die meisten über diese Geräte Musikstreaming und Webradio hören. Smart TVs werden vermehrt als Audio-Geräte genutzt, insbesondere für Webradio und Musikstreaming. Zudem bleibt das Auto als Hörsituation für Online-Audio dominant, mit Musikstreaming und Webradio als Top-Optionen.
Facebook zieht sich aus dem Nachrichtengeschäft zurück
Facebook, das zu Meta gehört, hat Änderungen vorgenommen, die den Weiterleitungs-Traffic zu Medien drastisch reduziert haben. Dies führte zu erheblichen Einbrüchen im täglichen Traffic der Verlage, insbesondere bei denen, die stärker auf Nachrichteninhalte ausgerichtet sind. Einige Verlage berichteten von einem Rückgang von über 30 % im Jahresvergleich, während andere sogar von einem Rückgang von rund 40 % sprachen. Trotz Anpassungen am Facebook-Algorithmus ist der Traffic immer noch deutlich niedriger als vor einem Jahr. Dies ist bemerkenswert, da Facebook einst für einen erheblichen Traffic zu Verlagen sorgte. Die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass Meta sich von der Nachrichtenbranche abwendet, insbesondere da Länder wie Kanada Gesetze erlassen haben, die Big Tech-Unternehmen zur Zahlung an Verlage verpflichten. Verlage vermuten auch, dass Meta zögert, Benutzer zu ihren Plattformen weiterzuleiten, da das Unternehmen den Werbemarkt dominieren möchte.
Journalismus für Google & Co. wichtiger als angenommen
Die Frage nach dem Wert von Nachrichten auf sozialen Medien, die Überschriften und Schnipsel kostenlos aggregieren, steht im Zentrum weltweiter Bemühungen, Technologieplattformen dazu zu bringen, für von ihnen verwendete Nachrichteninhalte zu bezahlen. Große Tech-Unternehmen wie Google und Meta argumentieren dabei oft mit den Klickzahlen und dem Verkehrswert, den sie den Verlagen bieten. Eine kürzlich durchgeführte Studie im Auftrag des SWISS MEDIA Verlegerverbandes hat jedoch ergeben, dass der Wert von Nachrichten auf Google Search weitaus höher ist als angenommen und schätzt den Umsatz, der durch Mediennutzung erzielt wird, auf rund $440 Millionen pro Jahr in der Schweiz. Ein Experiment mit 1573 Teilnehmern zeigte, dass Nutzer, die Ergebnisse mit journalistischen Inhalten erhielten, mehr Wert sahen als diejenigen ohne solche Inhalte. Lange Zeit haben Plattformen wie Google journalistische Inhalte kuratiert, ohne Lizenzgebühren zu zahlen oder Verlage zu entschädigen.